Neuseeländer
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Neuseeländer

Der Kiwi an sich

Der typische Neuseeländer ist schon ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Er ist gesellig, nimmt viele Dinge einfach viel gelassener als der häufig sehr kopflastige Deutsche und ist vor allem sehr herzlich und gastfreundlich! Schaut man sich heute die Bevölkerung von Neuseeland an, kommt man zu dem Schluss, dass es bei weitem nicht so bunt zugeht wie in vielen europäischen Ländern. Rund drei Viertel der Kiwis stammen von europäischen Einwanderern ab, viele davon aus Großbritannien.

In den letzten Jahren hat die Einwanderung von asiatischer Bevölkerung zugenommen, die restlichen 14% machen die Maori aus. Für mich war erschreckend, dass es zwar noch rund 600.000 Maori gibt, von denen jedoch nur noch 100.000 die Sprache tatsächlich sprechen. In den letzten Jahren hat man sich auch seitens der Regierung sehr bemüht, dieses wichtige Erbe, was doch für mich ein Teil der Identität Neuseelands ausmacht, zu bewahren.

Aber was macht nun den typischen Neuseeländer aus? Erstmal sind die Kiwis wirkliche Naturmenschen, was nicht sonderlich verwunderlich ist, wenn man bedenkt, was ihr eigenes Land für wunderschöne Landschaften zu bieten hat. Dann schnappt er sich seine Campingausrüstung und verbringt seine freie Zeit am See, im Native Bush oder am Meer. Dies ist in Neuseeland ja nie wirklich weit entfernt. Geht man raus in die freie Natur, zum Wandern, Angeln oder einfach nur entspannen, tut man dies natürlich nicht allein, da der Neuseeländer die Gesellschaft von lieben Menschen sehr schätzt. Er ist sehr gesellig und genießt die Zeit mit der Familie.

Da es im eigenen Land so viele tolle Dinge zu entdecken gibt, verreist er meist häufig nur innerhalb Neuseelands. Auch wegen der Entfernungen, man befindet sich schließlich am Ende der Welt, sind weitere Reisen nicht nur teuer, sondern nehmen auch viel Zeit in Anspruch.

Die Europäer sind da durch die die kurzen Entfernungen doch reichlich verwöhnt. Davon kann der Kiwi nur träumen. Das nächstgelegene potenzielle Reiseziel ist mit rund 3,5 Flugstunden Australien. Mit den Australiern verbindet der Kiwi so eine Art nachbarschaftliche Freundschaft, die nicht selten von vielen Sticheleien begeleitet wird. So nennen die Neuseeländer die Australier einfach mal Aussies, ocker oder ossies, was darauf anspielen soll, dass man sie doch etwas für ungehobelt hält. Auf der anderen Seite wiederum belächeln die Australier die Kiwis und man wirft ein bedauernswertes Auge auf den Mangel an Ressourcen, Landmasse und vor allem an Bevölkerung, was es in Australien alles mehr zu geben scheint.

Trotzdem versteht man sich im Großen und Ganzen doch ganz gut. Neben seiner ausgeprägten Geselligkeit, ist er sehr offen für neue Dinge. So interessiert er sich beispielsweise sehr für das, was außerhalb Neuseelands so passiert. Während meiner Zeit auf einer Kiwiorchard führten der Besitzer und ich viele Gespräche über mein Heimatland, Europa und mein Alltagsleben daheim. Dabei war er an allem sehr interessiert und hat mir manchmal förmlich Löcher in den Bauch gefragt. Über viele Dinge war er auch sehr verwundert. Wie viel Steuern wir zahlen, wie hoch die Spritpreise sind, wie das Bildungssystem so funktioniert und und und…

Ganz wichtig ist die Gastfreundschaft der Neuseeländer. Man wird fast überall sehr freundlich aufgenommen, erhält ungefragt Hilfe, wenn mal ein Problem auftaucht oder bekommt sogar eine Unterkunft angeboten. Man lernt sich kennen, Adressen werden sehr schnell ausgetauscht und wenn man mal wieder in der Gegend ist, kann man einfach mal ein paar Tage dort bleiben.

Ich bin mir sicher, dass ich besonders mit meiner neuseeländischen Gastfamilie noch lange in Kontakt bleiben werde. Dies Herzlichkeit und der Mangel von übermäßigen Misstrauen gegenüber anderen, was man in Deutschland schon ab und zu antrifft, sind sehr angenehm und machen die Neuseeländer für mich zu einem sehr angenehmen und unkomplizierten Volk. Just take it easy, bro! Sprot und Neuseeland – das ist etwas, was sich nicht trennen lässt.

Wegen der Leidenschaft für die Natur bevorzugt man am liebsten Outdoor-Sportarten. Das Heiligtum in Sachen Sport sind sicher Rugby und Cricket, was schon die kleinen Knirpse in der Schule lernen. Aber auch wer es etwas ruhiger mag, findet in Neuseeland etwas für sich. Ganz groß ist das Angeln, allem voran das „Whitebaiting“. Hier fängt man die sogenannten Whitebaites, das sind ganz kleine Fische, die man dann häufig zu Fritters (wie Kartoffelpuffer) zubereitet.

Was mir aufgefallen ist und was ich ein wenig schade finde, sind die Vorurteile der Weißen gegenüber den Maori. Oft hat man uns gesagt, dass wir auf unsere Sachen aufpassen müssen, wenn wir beispielsweise ins Northland unterwegs sind, wo besonders viele Maori leben. Im Vergleich zu den Weißen, die Maori nennen sie Pakeha, machen die Maori zwar einen verhältnismäßig größeren Teil der sozial schwächeren Bevölkerung aus, aber ich habe bisher keine negative Erfahrungen in dieser Richtung gemacht. Diese gespannte Atmosphäre spürt man schon.

Wenn man sich nun auf nach Neuseeland macht, kann man sich darauf vorbereiten eigentlich überall freundlich und herzlich aufgenommen zu werden. Die Kiwis muss man wegen ihrer entspannten, offenen und geselligen Art einfach gerne haben.